Persönliche Kommunikation – Auslaufmodell oder wichtiger denn je?

Posted by on Feb 13, 2019 in Sannis Leben | No Comments

Der Fax hatte eine sehr entschleunigende Wirkung auf den Geschäftsalltag - eine Ode an digital Detox von Sanni Shoo

Meine Ode an Digital Detox – oder warum für mich Multichannel = Multistress??

Damals, als ich ein Kind war, war es eine Revolution: Das Faxgerät! Mein Vater hatte ein Unternehmen, und war viel ausser Haus – beim Kunden, auf Messen. Wenn er also „out of office“ war, durchforstete die Assistentin die Faxe und Briefe. Es gab sie also damals schon: Die News-Broker!

Wenn etwas wirklich dringend erschien, wurde es an das Hotel gefaxt. Dort durfte es mein Vater abends in Empfang nehmen. Der Rest wartete im Büro bis zur nächsten Woche, als er zurückkam. Montag wurde die Post angesehen, bis Freitag war sie bearbeitet. Wenn bei uns zuhause jemand anrief, ging man ans Telefon.

Heute? Unglaublich aber wahr: Messen gibt es immer noch, und wenn ich mit Unternehmern spreche, werden die wichtigen Geschäfte meist durch persönliche Begegnungen eingefädelt oder besiegelt. Eine gut gesprochene „Key Note“ von der Bühne vor „richtigen“ Menschen – noch immer unschlagbar. „Nichts geht über das persönliche Gespräch, wenn ich jemandem in die Augen schauen kann“ höre ich immer wieder. Daneben gibt es Videokonferenzen, TELCOs. Wenn ich jemanden telefonisch nicht erreiche (was zu 99% so ist), dann habe ich ja noch WhatsApp, SMS, eine Nachricht via Messenger oder LinkedIn.

Moment: Das gilt natürlich nicht für Geschäftspartner in Asien: Hier muss man per „WeChat“ verbunden sein. IT-Gurus konferieren aus Überzeugung lieber via „Signal“. Strukturierte Marketingprofis schwören auf Trello – willst Du Ihnen ein Bild vorschlagen – dann bitte über dieses Tool. Manchmal sieht man die relevanten Fakten vor lauter Tools nicht mehr.

Damit man die Passwörter all dieser Tools im Griff hat, braucht man wieder eine Software. Weil das aber alles viel zu viel ist, gibt es eigene Software, die störende Tools „ausschaltet“, damit man besser auf eine Sache fokussieren kann. Und wenn wir von fokussieren sprechen: Social Media habe ich noch nicht mal erwähnt. Zu den verschiedenen Kanälen kommen wöchentlich neue Tools für mehr Followers, zur Identifizierung von „follow/unfollow“ und vielem mehr. Ja, und Fernsehen gibt es ja auch noch immer. Daneben natürlich die neuen Streaming Dienste – ja nicht den Anschluss verpassen bitte! Es muss aber auch Zeit und Energie bleiben, für das „persönliche Gespräch“. Die „Message“, die dann unbedingt ankommen muss beim anderen, der den Kopf voll hat von unzähligen Kanälen. Und um dieses persönliche Gespräch zu finden, fliegt man weite Strecken, und auch dafür gibt es Portale, die das richtige Hotel, zum richtigen Preis mit der richtigen Bewertung und dem richten „Pillow-Menu“.

Nicht falsch verstehen: Ich liebe #Innovation, und ich liebe die Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung bietet. Ich bin aber auch fest davon überzeugt, dass man nicht bei allem dabei sein muss. So wie ich im „richtigen Leben“ nicht auf „jeder Hochzeit tanzen muss“, habe ich auch digital gelernt, NEIN zu sagen. Zum Beispiel zu Tools, ohne die es auch geht. Bevor ich hektisch ein neues Tool herunterlade, überlege ich, ob ich es wirklich brauche, aber noch mehr, wie sehr es mich stresst, wenn ich es dann mal habe. Und genau so sehe ich das mit Produkten. Weniger ist oft mehr. Darum entwickle ich nur Produkte, die einen Nutzen haben, und mindestens ein Problem lösen.

„Nein“ zu sagen kann oft im Leben sehr befreiend sein. Auch zum digitalen Over-Load.

Ich komme gerade von der Messe „Ambiente“ in Frankfurt, und bin dankbar für all die persönlichen Kontakte und Gespräche. Sie sind unbezahlbar, und die Funktion „mobile Daten“ hatte ich den ganzen Tag ausgeschaltet. Jetzt mache ich mich aber ans „follow-up“, und überlege mal mit welchem Tool ;o)